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Unser Lehmhaus

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Jeder Mensch hat seinen Traum. Unser Traum ist es, irgendwann dem Großstadtleben den Rücken zu kehren und noch einmal etwas ganz Neues zu beginnen. Wir haben 2003 damit begonnen, unsere Vision Wirklichkeit werden zu lassen und entschieden uns für Ungarn. Denn wo scheint die Sonne mindestens 1400 Stunden im Jahr? Wo findet man noch große Grundstücke und alte Bauernhäuser für den kleineren Geldbeutel? Und wo scheint die Zeit noch still zu stehen? In Ungarn - genauer gesagt - in Magyarkeszi.

Auf einem 12.000m² großem Anwesen stehen zwei uralte Bauernhäuser aus gestampftem Lehm. Dabei handelt es sich um zwei Grundstücke, die jedoch so geschnitten sind, dass sie sich gut miteinander verbinden lassen. Die Bauernhäuser sind im typisch ungarischen Stil erbaut.  Ihre Lehmmauern haben eine Stärke von 65 cm!

Leider wurden den Häuser in den letzten 20 Jahren ihr natürlicher Charme genommen und durch Anbauten und “moderner” Renovierung der traditionelle Baustil verfälscht.

In Hinblick auf den Baustoff Lehm waren auch wir Laien. Was braucht Lehm und was ist für ihn schädlich? Wie können wir die alte Bausubstanz erhalten und vor weiterem Verfall schützen?

Viele Fragen stellten sich uns, doch zufriedenstellende Antworten blieben aus. Im Gegenteil - wir stießen bei den Ungaren auf Unverständnis und wurden belächelt. “Lehm war früher der Baustoff der armen Leute!” Ungarn ist ein Land im Aufschwung, offen für alles Neue, Moderne, Trendige. In den Baumärkten findet man alles, nur keine natürlich gewachsenen Baustoffe. Und so standen wir vor der großen Frage: “Wie packen wir es an?” Da wir weder in unserer Region noch über das Internet einen Händler für ökologische Baustoffe finden konnten, mussten wir unser Material aus Österreich von der Firma “Natur & Lehm” beziehen.

Die Bausubstanz war aufgrund mangelnder Gebäudeerhaltung und mehrjährigem Leerstand stark angegriffen. Die Lehmwände waren durch- feuchtet und ein modriger Geruch durchzog das Haus. Bei Berührung der Wände fielen uns große Stücke entgegen, denn Stampflehm wurde nach der Trocknung krümelig und hat keine Bindung mehr. Linoleum lag auf dem Betonfußboden. Als wir es aufhoben, bildeten sich kleine Pfützen. Von der ursprünglich schönen Balkendecke war nichts zu sehen. Riesige, schwere Pressspanplatte mit Sprelakat überzogen verdeckten sie. Zum besseren Verständnis:  Zu DDR-Zeiten wurden insbesondere Tischplatten , die aus Pressspan bestanden mit Sprelakat überzogen, einem Phenolkunststoff zum Schutz gegen Nässe. Der Staub, der durch Abschleifen entsteht, soll krebserregend sein. In den durchfeuchteten Außenwände zeigten sich große Risse. An der rechten Seite des Hauses kam es zur Absenkung der Wand, da die Statik durch aufsteigende Feuchtigkeit sowie bauliche Veränderungen im Haus instabil wurde.

Doch die Lage des Anwesens sowie seine vielen Nutzungsmöglichkeiten ließen uns nicht entmutigen.  

Heute lieben wir uns unseren Lehm. Wir lernten, seinen Charakter zu verstehen und passten uns seinen Bedürfnissen an. Und weil wir von seinen Vorzügen überzeugt sind, möchten wir unsere Begeisterung mit anderen teilen. Die nächste große Aufgabe, die wir uns gestellt haben, ist, in Ungarn den Lehm und seine Vorzüge wieder bekannt zu machen. Wir möchten, dass die alt bewährte traditionelle Bauweise  wieder eine Renaissance erfährt. Gesünder leben und ökologisch handeln stehen im Vordergrund unseres Denkens. Vor diesem Hintergrund stehen wir anderen, die sich mit einer ähnlichen Situation konfrontiert sehen, behilflich zur Seite.

Efeuranke